Von Knochenharpunen, Hochrädern und politischem Unrecht – Das Krumme Haus in Bützow – Heimatmuseum und Stadtbibliothek
Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so krumm aus, das Krumme Haus in Bützow. Im 15. Jahrhundert errichtet, war es einst Teil der bischöflichen Burganlage und wurde als Wirtschaftsgebäude, später als Pferdestall genutzt. Seit Januar 2000 beherbergt das Gebäude, das zu den ältesten der Stadt gehört, gleich drei kulturelle Einrichtungen unter seinem Dach: das Heimatmuseum, die Stadtbibliothek und eine Dokumentation zum politischen Missbrauch des Strafvollzuges in Bützow.

Außenansicht des Krummen Hauses; Foto: Krummes Haus
Das verbindende Element zwischen den Einrichtungen ist das Buch, das sich nicht nur im Logo des Hauses wiederfindet, sondern auch in der Bezeichnung der Ausstellungsräume. Der Rundgang startet im Dachgeschoss mit dem 1. Buch der historischen Ausstellung. Dieses vermittelt dem Besucher in sechs Kapiteln einen Einblick in die Geschichte der Stadt bzw. der Region, angefangen bei der Ur- und Frühgeschichte, über die Stadtgründung bis zu den Besitz- und Machtverhältnissen auf dem Land. Innerhalb und außerhalb der Glasvitrinen tummeln sich steinzeitliche Funde, wie zum Beispiel die älteste Knochenharpune Mecklenburgs, uralte Bücher – das älteste stammt aus dem Jahr 1648 – und sogar Reste eines mittelalterlichen Einbaums, der im Boitiner See entdeckt wurde. Außerdem finden hier oben etwa einmal im Monat kulturelle Veranstaltungen wie Vorträge, Dia-Shows und Lesungen mit bis zu 40 Gästen statt. Die Dachbalken und der knarrende Dielenfußboden sorgen nicht nur für eine gemütliche Atmosphäre, sondern auch für eine hervorragende Akustik bei Konzerten.

Bei kulturellen Veranstaltungen bietet das Krumme Haus Platz für bis zu 40 Gäste; Foto: Krummes Haus
Die Bauern des 19. und 20. Jahrhunderts hatten es wirklich nicht leicht. Harte körperliche Arbeit gehörte zu ihrem Alltag, was das 2. Buch in den Kapiteln sieben bis neun veranschaulicht. Gerätschaften wie Wäschemangel und Waschbretter, Spinnrad und Butterfass dokumentieren typisch bäuerliche Tätigkeiten wie das Wäschewaschen, die Woll- und Flachsherstellung und das Buttern. Außerdem finden sich hier Waagen, Waffeleisen, Töpfe, Geschirr und andere alte Küchenutensilien sowie zahlreiche Modeaccessoires, darunter liebevoll handbemalte Hutschachteln und kunstvoll bestickte Trachtenhauben. Besonders stolz ist das Museum auf die teilweise original erhaltene Zepeliner Tracht und die einzige erhaltene Landstandsuniform Mecklenburgs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein weiterer Hingucker, und besonders bei Kindern sehr beliebt, ist das Hochrad aus dem Jahr 1880. Auch ein Blick nach oben lohnt sich, denn selbst unter der Decke befinden sich Exponate. "Das Museum hat so viel zu zeigen", sagt Mitarbeiterin Sabine Prescher. "Häufig stellen uns auch Besucher Ausstellungsstücke zur Verfügung. Das ist es gerade, was uns Freude macht. Das Museum steht nie still, es kommt immer etwas dazu."

Zu den wertvollsten Stücken des Heimatmuseums zählt die Zepeliner Tracht; links ein alter Küchenschrank mit Geschirr; Foto: Krummes Haus
Eine Etage tiefer berichtet das 3. Buch vom Bürgerlichen Leben im 19. und 20. Jahrhundert. Neben diversen Kleidungsstücken wie einem Kleid und feinen Damenhandschuhen, Kämmen und Haarnadeln sind hier Gemälde zu bewundern, auf denen Bützow zu sehen ist. Das 4. Buch bilden die Sonderausstellungen, die in zwei Räumen gezeigt werden. Alle zwei Monate präsentiert ein neuer Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern seine Werke, sodass im Krummen Haus Abwechslung garantiert ist.

Blick in das 3. Buch der Ausstellung, welches das Bürgerliche Leben im 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert; Foto: Krummes Haus
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