Auf Schatzsuche nach dem "weißen und schwarzen Gold" des Nordens
Mit weit aufgerissenem Maul und spitzen, großen Zähnen grüßt ein Fischsaurier im Gummanzer Kreidemuseum die Besucher. Das imposante Modell im Maßstab 1:2,5 misst stolze sechs Meter. Die Meeresriesen lebten vor 59-67 Millionen Jahren im Schelfmeer, das sich in der Oberen Kreidezeit noch auf der geografischen Breite des heutigen Mittelmeeres befand. Dort liegt der Ursprung der Rügener Kreide, über die Besucher im einzigen Kreidemuseum Europas auf Rügen mehr erfahren können.

Das Kreidemuseum in der ehemaligen Produktionshalle des Kreidewerks; Foto: Kreidemuseum Gummanz
Auf der Insel ist es heute noch möglich, einen echten Saurierzahn zu finden – was allerdings selten vorkommt. Das Kreidemuseum Gummanz bietet großen und kleinen Schatzjägern von Frühjahr bis Herbst die Gelegenheit, selbst mit spitzem Hämmerchen und Zahnbürste auf die Suche nach Fossilien zu gehen. Dabei werden vor allem muschelähnliche Armfüßer, Muscheln, Moostierchen und Reste von Seeigeln im letzten, noch genutzten Kreidebruch Promoisel ans Tageslicht befördert.
Ihrer feinen Qualität und ihrem Wert verdankt die Insel-Kreide die Bezeichnung "weißes Gold". Doch wer meint, es gäbe nur weiße, poröse Kreide, der wird im geologischen Ausstellungsteil des Museums eines Besseren belehrt: Zum Sediment-Kalkgestein, das den Namen Rügener Schreibkreide trägt, gehören auch die dunklen, knollenförmigen Feuersteine, wie man sie an der Nordostspitze Rügens und in den Feuersteinfeldern bei Mukran in Massen findet. Das "schwarze Gold" nutzten schon die Menschen vor 10.000 Jahren zur Herstellung von Werkzeug und Waffen. Der "Stahl der Steinzeit" wurde im 16. Jahrhundert wiederentdeckt als Zündmittel in Steinschlosswaffen. Der Name "Flintstein" hat sich bis heute im Sprachgebrauch erhalten. Und auch im "schwarzen Gold" können Schatzsucher fündig werden: Die als "Hühnergötter" bekannten Feuersteine mit mindestens einem Loch zählen zu den beliebten Fundstücken bei Schatzsuchern und werden gern als Talisman verwendet.

Der 'Kleine Königsstuhl' im ehemaligen Kreidebruch von Gummanz; Foto: Kreidemuseum Gummanz
Im Gummanzer Kreidebruch selbst wird weder "weißes" noch "schwarzes Gold" geborgen. Er gehört zu den etwa 40 historischen Kreidebrüchen auf Rügen, die sich die Natur bereits zurückerobert hat. Ein kurzer Wanderweg führt vom Museum zur höchsten Stelle des Tagebaus auf den "Kleinen Königsstuhl", der mit seinen 126 Metern über NN eigentlich höher ist als der weitaus bekanntere "Große Königsstuhl" an der Nordostküste Rügens. Vom Aussichtspunkt - 60 Meter über der Bruchsohle - schaut man bei guter Sicht weit über die Halbinsel Jasmund und den Südwesten Rügens bis nach Stralsund.
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