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Vorgestellt: Das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen

Von der mecklenburgischen Provinz in die weite Welt

Die Welt der Archäologie sähe wohl anders aus ohne den mecklenburgischen Kaufmann Heinrich Schliemann (1822 - 1891). Als Ausgräber der legendären Stadt Troja wurde er berühmt. Entdeckergeist und Hartnäckigkeit bestimmten sein Leben. Der Preis war die Anerkennung als Forscher und als Wegbereiter der Feldarchäologie. So entwickelte der Autodidakt Methoden, wie den Sondierungsgraben und die Beachtung der Schichtenfolge, die noch heute angewendet werden.

Heinrich Schliemann (1822 – 1891)

Johann Ludwig Heinrich Julius Schliemann kam am 6. Januar 1822 als 5. Kind eines protestantischen Pfarrers in Neubukow zur Welt. Dort erinnert noch eine Gedenkstätte an den berühmten Archäologen. Wer wirklich etwas über ihn erfahren will, der ist in Ankershagen im Heinrich-Schliemann-Museum an der richtigen Adresse.


Blick auf das ehemalige Pfarrhaus, das jetzt die Dauerausstellung des Museums beherbergt

Dort verlebte der junge Heinrich von 1823 bis 1831 eine prägende Kindheit, nachdem der Vater dorthin versetzt wurde. Ihn faszinierten die Besiedlungsspuren der Gegend, z.B. das Hügelgrab "Goldene Wiege", das sich hinter dem Pfarrgrundstück befindet, und die Geschichten, die sich darum und um das frühere Raubrittertum in der Gegend rankten. Eine Annekdote, die von Schliemann selbst in die Welt gesetzt wurde, erzählt, dass er durch eine Ausgabe von Georg Ludwig Jerrers "Weltgeschichte für Kinder" bereits im Alter von acht Jahren, den Entschluss fasste, Troja auszugraben. Sicher ist, dass in dieser Zeit sein Interesse am Altertum und am trojanischen Krieg geweckt wurde. Als die Mutter nach der Geburt des neunten Kindes 1831 stirbt und Heinrich aus Finanznot zu seinem Onkel in Kalkhorst ziehen muss, stehen die Voraussetzungen für eine Forscherkarriere denkbar schlecht.

Eine Lehre als Handelsgehilfe bricht er aus gesundheitlichen Gründen ab. Der Auswanderungsversuch nach Südamerika scheitert. 1842 wird er Kontorbote in Amsterdam. Seine besondere Sprachbegabung – er bringt sich in dieser Zeit selbst Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch bei – führt ihn schließlich 1846 nach St. Petersburg, um dort eine Handelsniederlassung zu gründen.

Als Unternehmer ist Schliemann in Russland und später in den Vereinigten Staaten von Amerika überaus erfolgreich. Zwischen 1856 und 1864 zieht er sich Stück für Stück aus seinen Geschäften zurück und widmet sich Studium, Reisen und Forschung. Er nutzt seine nicht unerheblichen Mittel, um seine Grabungen ab 1870 zu finanzieren. Zum Vergleich: Sein Nachlass betrug 15 Millionen Goldmark. Heute rund 54 Millionen Euro. Der Warenwert dürfte jedoch eher bei 200 Millionen Euro liegen. Schliemann bezahlte seine Ausgrabungen mit einem Teil seiner Zinsen.

Das Museum

Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Schliemann in Ankershagen haben Wissenschaftler und Ehrenamtliche um Dr. Wilfried Bölke, dem ehemaligen, und Dr. Reinhard Witte, dem jetzigen Museumsleiter, nicht nur ein Museum, sondern eine international anerkannte Forschungsstätte mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte aufgebaut. Seit 1959 erinnert in Ankershagen eine Plakette an den berühmten Einwohner. Erst 1980 nach langen Bemühungen engagierter Bürger eröffnete die Schliemann-Gedenkstätte im Pfarrhaus. In den folgenden Jahren wurden das Außengelände, der ehemalige Pfarrgarten mit dem Teich "Silberschälchen", wiederhergestellt und durch Forschungen der Weg für das Heinrich-Schliemann-Museum geebnet, das 1986 die Gedenkstätte ablöste.


Gedenktafel am Heinrich Schliemann Museum

Das Markenzeichen des Museums ist ein Trojanisches Pferd aus Holz. Die Rutsche steht seit 1996 auf der Wiese vor dem Museum und erfreut sich nicht nur bei Kindern großer Beliebtheit. Auch die Erwachsenen machen sich einen Spaß daraus, so Dr. Witte. Es ist ein schönes Fotomotiv und schon im Vorbeifahren von der Straße aus zu sehen. Eine große Esche spendet mit ausladenen Ästen im Sommer Schatten.


Das hölzerne Trojanische Pferd, im Hintergrund der Stall mit Museumsladen und -café

Auf der anderen Straßenseite steht die Dorfkirche von Ankershagen. In dem Bau aus dem 13. Jahrhundert predigte Schliemanns Vater. Auf dem Friedhof befindet sich das Grab der Mutter. Ihr hat Heinrich Schliemann und zugleich sich selbst mit einem großen Kreuz ein Denkmal gesetzt. Es sorgt bei vielen Besuchern für die Annahme, er selbst sei hier begraben, denn er nannte sich in der Widmung zuerst.


Grabkreuz von Luise Schliemann

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