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Vorgestellt: Das Hans-Fallada-Museum in Carwitz

Bei Fallada daheim

Hans Fallada war bereits ein anerkannter Schriftsteller, als er 1933 mit seiner Familie nach Carwitz zog. Ein Jahr nach dem internationalen Durchbruch seines Romans "Kleiner Mann – was nun?" kaufte er sich in dem idyllisch-entlegenen Flecken in der Feldberger Seenlandschaft ein Haus mit Garten direkt am Carwitzer See. Hier verbrachte er zwölf Jahre, in denen Kindergeschichten und -märchen sowie weitere Erfolgsromane entstanden, darunter "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt", "Wolf unter Wölfen" und "Damals bei uns daheim". Mit seinen realistischen Erzählungen, in denen er vor allem die Probleme der "kleinen Leute" schilderte, traf Fallada den Zeitgeschmack einer großen Leserschaft. Sein gesellschaftskritischer Blickwinkel und die im Stil der Neuen Sachlichkeit einfache und doch ausdrucksvolle Sprache sind die Hauptgründe dafür, dass Fallada gestern wie heute vielgelesen ist und immer noch aktuell erscheint.


Falladas Veranda im Mai; Foto: Thomas Mészáros

Falladas ehemalige Wohn- und Wirkungsstätte in Carwitz beherbergt seit 1995 ein Museum. Die Ausstellungsräume wurden nach und nach ausgebaut und im Stil der 30er Jahre originalgetreu eingerichtet: Wohn-, Arbeits- und Esszimmer, Küche, Veranda und Bootshaus sehen aus wie zu Falladas Lebzeiten. Auf dem Rundgang durch das Haus findet der Besucher im Arbeitszimmer, das mit originalen Möbeln wieder in den authentischen Zustand versetzt werden konnte, die schwarz-rot lackierten Bücherregale und den Schreibtisch mit den Arbeitsutensilien des Schriftstellers. Im gesamten Museum zeigen Zeitdokumente und Fotos Ausschnitte aus dem bewegten Leben des Autors, der schon als junger Mann rauschgiftsüchtig war und mit Anfang dreißig gleich zweimal wegen Unterschlagung inhaftiert wurde. Unter den Exponaten ist auch eine Pistolenkugel, mit der sich Rudolf Ditzen – so Falladas bürgerlicher Name – im Alter von 18 Jahren mit einem Schulfreund duellierte, um Doppelselbstmord zu begehen.


Das Arbeitszimmer Hans Falladas; Foto: Stefan Knüppel

Zum Leben und Schaffen Falladas finden sich an verschiedenen Punkten der Ausstellung Hörstationen und weitere Angebote, speziell auch für Kinder: Im "Balkonzimmer", dem einstigen Gästezimmer, läuft ein Kinderfilm mit "Mäusecken Wackelohr" - einer Kinderbuchfigur Falladas, die ebenfalls im Kinder-Audio-Führer des Museums eine Rolle spielt. Mit ihm können die Kinder das Haus erkunden. Zusätzlich dürfen sie auf ihrem Rundgang durch die Zimmer Fragen zu Fallada aus dem Rätselheft lösen. Als Belohnung für die richtigen Antworten winkt ein "Fallada-Diplom", wie es Museumsleiter Dr. Stefan Knüppel nennt. Von ihm stammen die Ideen hierzu wie für das gesamte museumspädagogische Konzept. Denn Knüppel möchte neben den Erwachsenen unbedingt auch die kleinen Leser und Museumsbesucher von morgen an den Autor heranführen. Seine Rolle, die für ihn gleichzeitig Berufung ist, füllt er in Carwitz seit 2005 mit Kreativität und großer Leidenschaft aus: "Das Museum ist wie mein drittes Kind. Ich freue mich zu sehen, wie es wächst."


Das Bienenhaus im Garten; Foto: Thomas Mészáros

Unterstützung erhält Knüppel hauptsächlich von der Fallada-Gesellschaft, ohne deren freie Trägerschaft das moderne Literaturmuseum in seiner jetzigen Form nicht vorstellbar wäre. Allein Knüppels Vorgänger führte das Museum mit seiner Frau zehn Jahre ehrenamtlich. Heute sind sogar drei Museumsmitarbeiter fest angestellt. Die mehr als 200 Mitglieder des Vereins, der 1991 aus dem 1983 gegründeten "Freundeskreis Hans Fallada" hervorging, sind allesamt Anhänger und Liebhaber Falladas, die sich vornehmlich ehrenamtlich dafür engagieren, das Erbe des Schriftstellers lebendig zu erhalten. Dank ihrer Initiative und Beiträge können in Carwitz ganzjährig Führungen, literarische Spaziergänge, Filmnächte, von Mai bis September eine wöchentliche Lesestunde, die jährlichen Hans-Fallada-Tage und viele weitere Veranstaltungen angeboten werden.


Sommerliche Lesung an Hans Falladas Bienenhaus mit Museumsleiter Dr. Stefan Knüppel; Foto: Thomas Mészáros

Zukünftig wird die Gesellschaft auch die Jury für den Hans-Fallada-Literaturpreis stellen. Dieser soll alle zwei Jahre vom Kreistag vergeben werden und richtet sich an Schüler der Klassenstufen 7 bis 12 sowie Berufsschüler. Mitinitiator Knüppel möchte über die Preisstiftung die Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region weiter ausbauen, um noch mehr Jugendliche für Falladas literarisches Werk zu begeistern. Unterrichtsmaterialien dazu gibt es schon.

Autorin: Antje Behrens

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