Auf den Spuren einer grausamen Vergangenheit
Beim Abstieg hinunter in den düsteren Folterkeller ist ein kalter Windhauch zu spüren. Feuchte Luft schlägt dem Besucher entgegen, und es riecht leicht modrig. Obwohl es sich bei den Folterinstrumenten in dem niedrigen, dunklen Kellerraum um Nachbildungen handelt, wirken sie Grauen erregend und Furcht einflößend. Dennoch strahlt das alte Gemäuer etwas Ehrwürdiges aus. "Was diese Steine hier unten gesehen haben, mag man sich gar nicht vorstellen", sagt Wiebke Hanke, Museumsmitarbeiterin in der Alten Burg Penzlin.
In der Burg, die vermutlich um 1300 erbaut wurde und unter anderem im Besitz derer von Maltzan, einem uradeligen Geschlecht aus Mecklenburg und Vorpommern war, befindet sich seit 1995 ein Kulturgeschichtliches Museum für Alltagsmagie und Hexenverfolgungen in Mecklenburg. Die alte Burganlage wurde saniert und bildet heute mit ihrem slawischen Wall, dem Burghof, dem Burggarten sowie Resten der alten Stadtmauer wieder eine in sich geschlossene Anlage.

Die Alte Burg Penzlin
Während fachkundiger Führungen erhalten Besucher ausführliche Informationen zum Thema Hexenverfolgungen. Fast 4.000 Hexenprozesse bei etwa 200.000 Einwohnern sind zwischen dem ersten belegbaren Prozess 1336 und der letzten bekannten Anklage 1777 im damaligen Mecklenburg dokumentiert worden. Das Territorium zählte zu den Zentren der europäischen Hexenjagd. Mindestens 2.000 Menschen kamen im Rahmen der Verfolgungen ums Leben, vier davon bei Verbrennungen auf der Alten Burg Penzlin.
Der Rittersaal als Gericht
Die Rundgänge starten im historisch rekonstruierten Rittersaal, der heute als Standesamt und für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Zur Zeit der Hexenverfolgungen diente der Raum jedoch als Gerichtssaal. Hier fanden nach der Verhaftung die so genannten gütlichen Verhöre statt, während derer der Richter die Angeklagten nach dem Hexendasein fragte. Weigerten sich die Beschuldigten, ein Geständnis abzulegen, schloss sich die peinliche Befragung im Folterkeller mit einer Tortur an Daumen- und Beinschrauben, Folterstuhl, Streckbank und Folterkreuz an.

Blick in den Folterkeller; Foto: Irmtraud Kittner
Noch mehr Beklemmung beschleicht den Besucher eine Etage tiefer: Hier befinden sich die europaweit einmaligen unterirdischen Hexenverliese, in die Wände eingelassene Nischen, in denen die Angeklagten bei völliger Dunkelheit ausharren mussten. Sieben Meter unter der Burghoffläche, ohne Verbindung mit dem Erdboden – dem Machtbereich des Teufels – sollten die magischen Kräfte ihre Wirkung verlieren. Zur Sicherheit wurden die Verliese zusätzlich mit schweren Holztüren verschlossen, damit die Wächter vor der Anwendung der Zauberkräfte – zum Beispiel dem "bösen Blick" – geschützt waren.

Hexenverlies mit Nische; Foto: Irmtraud Kittner
Weiterlesen
Zurück zur Übersicht
|